Büchners Frauen

25. Mai 2013 in Wiesbaden

Musiktheater von Paul Leonard Schäffer nach Texten von Georg Büchner.

Internationale Maifestspiele 2013

Zum Büchner-Jahr 2013

Uraufführung

Eine gemeinsame Produktion des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, dem Institut für Zeitgenössische Musik und der Internationalen Ensemble Modern Akademie

Musikalische Leitung Vimbayi KaziboniInszenierung Teresa Reiber
2012 und 2013 dreht sich in Hessen alles um Georg Büchner. Gefeiert werden gleich zwei Jubiläen: der 175. Todestag und der 200. Geburtstag. Aus diesem Grund hat der junge Komponist Paul Leonard Schäffer im Auftrag des Instituts für Zeitgenössische Musik der Hochschule Frankfurt am Main eine Kammeroper über Büchners Frauenfiguren geschrieben, die im Rahmen der Internationalen Maifestspiele am Hessischen Staatstheater Wiesbaden zur Uraufführung kommt.
Alles verzehrt sich in mir selbst; hätte ich einen Weg für mein Inneres, aber ich habe keinen Schrei für den Schmerz, kein Jauchzen für die Freude, keine Harmonie für die Seligkeit. Dies Stummsein ist meine Verdammnis.
Georg Büchner an seine Braut, Gießen, 7. März 1834

Marion, Marie, Julie und Lucille sind zentrale Frauenfiguren im Werk Georg Büchners, in denen sich der Umschwung durch die neuen Werte der französischen Revolution widerspiegelt. Diese Frauen nehmen eine wichtige Rolle im Verständnis der neuen Bürgerrechte und der Emanzipation des Individuums ein, die Büchner immer wieder in seinen Werken thematisiert. Marie lehnt sich gegen das Misstrauen und die Eifersucht Woyzecks auf, der sie schließlich im Wahn ermordet. Ähnlich wie Marion in 'Dantons Tod' ist sie getrieben von Sinnlichkeit und extremer Körperlichkeit, findet aber keine Erlösung. Auch Marion stellt sich mit ihren Ansichten vom genussvollen Leben gegen die Gesellschaft, gegen den Staat und die Kirche. Lucile und Julie wiederum überwinden in 'Dantons Tod' den Determinismus der Geschichte und erleiden nach dem Guillotine-Tod ihrer Männer Danton und Desmoulins weder Zusammenbruch noch Verzweiflung, sondern zeigen emotionale Festigkeit.
Diesen vier Frauen hat Paul Leonard Schäffer eine Kammeroper gewidmet, in der die Protagonistinnen ihr Leben und den Tod reflektieren, bis hin zur Sprachlosigkeit. Das Werk ist konzipiert für vier Sängerinnen, einen Sprecher, 15 Instrumentalisten und einen Klangregisseur. Es besteht aus vier Monologen, die als Psychogramme dieser Frauen verstanden werden können. Der Text basiert auf Auszügen der Büchner-Dramen 'Woyzeck' und 'Dantons Tod' sowie Büchners Briefen an seine Braut.

Paul Leonard Schäffer (Komposition) wurde 1987 in Hannover geboren. Mit fünf Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht und wurde kurze Zeit später Mitglied im Knabenchor Hannover. Dort erlebte er als Knabensolist die Zusammenarbeit mit Kent Nagano und John Eliot Gardiner. Mit sechzehn Jahren erhielt er den ersten Orgelunterricht bei Prof. Torsten Meyer. Seit 2006 studiert er an der HfMDK Frankfurt am Main Komposition (Prof. Gerhard Müller-Hornbach), Kirchenmusik (Orgel: Prof. Martin Lücker) und Orchesterleitung (Prof. Wojciech Raski). Kompositionsstudien bei Beat Furrer und Marc André sowie Liedbegleitungs- und Korrepetitionsunterricht bei Prof. Eugen Wangler und Prof. Helmut Deutsch ergänzen seine musikalische Ausbildung.
Seine Kompositionen wurden bei den Kasseler Musiktagen 2009 sowie bei den Händel-Festspielen Karlsruhe 2010 aufgeführt. Im August 2010 wurde das Musiktheater 'Eine Kapitulation' nach einem Libretto von Richard Wagner bei dem Festival junger Künstler Bayreuth uraufgeführt. Paul Leonard Schäffer wird seit 2010 von Yehudi Menuhin Live Music Now Frankfurt am Main e.V. gefördert. Er ist zudem Stipendiat der Aribert-Reimann-Stiftung.

Vimbayi Kaziboni (Musikalische Leitung) stammt aus Zimbabwe und ist in den USA aufgewachsen. Der junge Dirigent kann bereits auf eine Reihe von internationalen Engagements zurückblicken, so in der Walt Disney Hall in Los Angeles, der Salle Cortot in Paris und der Carnegie Hall in New York. Neben vielen Konzerten in Zimbabwe und den USA war Vimbayi Kaziboni auch in Frankreich, Deutschland, Österreich, Australien, Neuseeland, Südafrika und den Philippinen zu Gast. Er ist künstlerischer Leiter und Chefdirigent des What's Next?-Ensembles, das in Los Angeles beheimatet ist und sich auf zeitgenössische Musik spezialisiert hat. 2001 war er Assistent des Johannesburg Philharmonic Orchestra und von 2010 bis 2012 arbeitete er als Assistent beim Young Musicians Foundation's Debut Orchestra. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, so des Irwin Fischer Music Leadership Preises. 2011 wurde Vimbayi Kaziboni als jüngster Teilnehmer zum Salzburger Musikseminar eingeladen. Zudem war er als Dirigent bei der European American Musical Alliance in Paris, am Dirigier-Institut in New York und 2011 beim Klangspuren-Festival in Schwaz (Tirol) als Dirigent der Internationalen Ensemble Modern Akademie zu erleben. 2010 schloss er sein Dirigier-Studium an der University of Southern California mit Auszeichnung ab.

Teresa Reiber (Inszenierung) wurde in Rostock geboren. Schon während des Studiums der Kultur- und Theaterwissenschaften in Berlin, New York und Rennes hospitierte sie in den Bereichen Regie, Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing an Häusern wie der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper Berlin, der Philharmonie Berlin und am Theater Magdeburg und lernte so die Arbeit von Regisseuren wie Peter Sellars, Barry Kosky, Andreas Homoki und Markus Dietz kennen. Nach Regieassistenzen bei Elisabeth Stöppler und Sven Holm ist Teresa Reiber seit der Spielzeit 2010/11 als Regieassistentin für Musiktheater am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert und hat seitdem unter anderem bei Konstanze Lauterbach, Dietrich W. Hilsdorf, Manfred Beilharz in Tel Aviv und Markus Bothe assistiert. In der Wartburg des Staatstheaters Wiesbaden inszenierte sie eine eigene Fassung von Wagners Ring des Nibelungen 'Wagalaweia! Heiaha! Hojotoho!' für drei Schauspieler, Sopran, Klavier und Windschlauch sowie 'Hamlet in 15 Minuten' von Tom Stoppard. Für das Regiefestival 'versionale' hat sie zusammen mit Andreas Gründel Schillers 'Wilhelm Tell' als Melodram erarbeitet.

Das 2003 gegründete Stipendienprogramm der Internationalen Ensemble Modern Akademie wird seit 2006 in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) zudem als einjähriger Masterstudiengang Zeitgenössische Musik angeboten. Durch die Förderung der Kulturstiftung des Bundes, der Kunststiftung NRW und des Kulturfonds Frankfurt RheinMain können junge Künstler (Instrumentalisten, Dirigenten, Komponisten und Klangregisseure) ein Jahr lang mit den Mitgliedern des Ensemble Modern am vielfältigen Repertoire der Moderne arbeiten.
Ziel ist die Vermittlung zeitgenössischer Spieltechniken, der Umgang mit Notation und Interpretation zeitgenössischer Musik, das Verständnis werkimmanenter ästhetischer Konzepte und damit einhergehend auch umfassende Repertoirekenntnisse der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe und dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen ermöglichen u.a. interdisziplinäre Projekte. Zudem sind regelmäßig namhafte Komponisten- und Dirigentenpersönlichkeiten wie Friedrich Cerha, Peter Eötvös, Heiner Goebbels, Heinz Holliger, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm und Hans Zender zu Gast. In über 20 Konzerten pro Jahr im In- und Ausland werden die Ergebnisse dieser Arbeiten präsentiert.

Quelle: kulturkurier / Kulturclub.de

Wo ist das Event?
Wartburg - Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Christian-Zais-Straße 3
65189 Wiesbaden
Wann ist das Event?
Samstag, 25. Mai 2013
20:00 Uhr
Seit 2335 Tagen vorbei!

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