5. Sinfoniekonzert

27. Januar 2014 in Weimar

Franz Liszt „Vexilla regis prodeunt“. Hymne für Orchester
Franz Liszt Zwei Franziskus-Legenden für Orchester
Anton Bruckner Sinfonie Nr. 2 c-Moll

Eine Widmung hat Bruckner seiner von hochfliegenden Hoffnungen begleiteten 2. Sinfonie letztlich verwehrt, obgleich sowohl die Wiener Philharmoniker als auch Franz Liszt in Betracht kamen. Doch erstere erklärten das Werk bei einem Probedurchlauf für unspielbar (und spielten dann doch die enthusiastisch gefeierte Uraufführung), letzterer ließ die Partitur schlicht und ergreifend im Wiener Schalottenhof liegen. Der geistvolle Konstrukteur Bruckner und der dramatische Erzähler Liszt? In der Tat offenbart sich hier die ganze Bandbreite spätromantischer Orchesterkunst.

Auch wenn der Spitzname »Pausensinfonie« angesichts der schluchtenartigen Einbrüche zwischen wuchtigen Klangbildern verständlich wird – Bruckner vertiefte in seiner »Zweiten« jene persönlichen Errungenschaften, für die seine Sinfonik bis heute steht: das weit gespannte Wachsen der Klanggestalt aus dem Nichts, die dichte Verknüpfung der Themen und die klanggewaltige polyphone Gestaltungskunst. Keine Frage, dass die verkopfte Eigenart der Sinfonie den extrovertierten Pultlöwen Liszt befremdete, auch wenn der sich inzwischen persönlich wie künstlerisch zum Asketen geläutert sah. In seinen »Franziskus-Legenden« verzichtet Liszt 1863 fast vollständig auf die Bruckner so wichtigen kompositorischen Strukturen und konzentriert sein Musizieren ganz auf die feinsinnige atmosphärische Nachempfindung der Mythen um den Heiligen Franziskus. Das »Vexilla regis prodeunt«, jenen Höhepunkt christlichlateinischer Hymnenkomposition, bearbeitete Liszt für Klavier solo, in einer klangsinnlichen Orchesterfassung sowie schließlich als Einleitung seines monumentalen Chorwerks »Via crucis«. Ausgerechnet Bruckner übrigens sollte 1892 sein Schaffen ebenfalls mit einer »Vexilla regis«-Vertonung beschließen: in einem bescheidenen vierstimmigen Chorsatz und »nach reinem Herzensdrange«. Ein Kreuzweg ganz eigener Art war auch sein Leben.

Quelle: kulturkurier / Kulturclub.de

Wo ist das Event?
Weimarhalle
Unesco-Platz 1
99423 Weimar
Wann ist das Event?
Montag, 27. Januar 2014
19:30 Uhr
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