Die unglaubliche Geschichte des Mädchens, das Letzte wurde

21. Juni 2014 in Wiesbaden

Theaterbiennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA 2014

Spanien

Compañía La Increíble, Madrid

Inszenierung María Folguera

Im August 2012 war in der europäischen Presse zu lesen, dass die somalische Leichtathletin Samia Yusuf Omar (1991–2012) bei dem Versuch, das Mittelmeer in einem Flüchtlingsboot zu überqueren, viereinhalb Monate zuvor unweit der maltesischen Küste ertrunken war. Die prominente Sprinterin, die bereits 2008 bei der Olympiade in Peking ihr Land als Teilnehmerin und Flaggenträgerin repräsentiert hatte, war in Somalia starken Repressionen ausgesetzt und hatte versucht, nach Europa zu fliehen, um an den olympischen Spielen in London teilnehmen und weiterhin Sport treiben zu können. Doch das Flüchtlingsboot war gekentert.

Die in Spanien lebende brasilianische Autorin Carla Guimaraes war von dieser Zeitungsmeldung so ergriffen, dass sie beschloss, aus dem Leben der Sportlerin ein Stück zu machen. Dafür wählte sie allerdings nicht die Form des Dokumentarstücks oder gar der Tragödie, sondern die der Komödie, in der festen Überzeugung, das Thema dadurch für das breite Publikum umso greifbarer machen zu können. Dabei beruft sie sich auch auf ein Bonmot Woody Allens: „Komödie ist Tragödie plus Zeit“. „Zurückliegende tragische Ereignisse können durch die Brille der Komödie neu gesehen werden“, erklärt Carla Guimaraes. „Es war nicht unser Ziel, über Samia zu lachen, sondern uns in ihre Haut zu versetzen und ihr Drama mit der gleichen Ironie mitzuerleben, mit der wir auch unser eigenes Unglück erleben.“

Das Projekt, an dem zwei Schauspielerinnen und vier Schauspieler aus Afrika und Spanien beteiligt sind und das als Bühnenausstattung lediglich Stühle benötigt, wurde von der Sparte für zeitgenössisches Theater des Madrider Theaters Cuarta Pared gefördert und mit Stipendien unterstützt. Das Stück wurde im Rahmen des Fringe Madrid Festival 2013 uraufgeführt und tourt seitdem mit großem Erfolg durch Spanien.

Carla Guimaraes wurde im brasilianischen Salvador de Bahía geboren. Nach einem Studium der Sozialen Kommunikation an der Katholischen Universität ihrer Heimatstadt zog sie nach Spanien und studierte Theatertheorie, -geschichte und -praxis an der Universität von Alcalá de Henares. Seit 2001 lebt sie in Madrid. In ihrer Arbeit pflegt sie die künstlerische Verbindung zu ihrem Heimatland, unter anderem als Programmdirektorin von Novocine, einem brasilianischen Filmfestival in Spanien. Sie arbeitet als Portugiesisch-Übersetzerin und hat kürzlich ihren ersten Roman „Los últimos días de Carnaval” („Die letzten Tage des Karnevals“) veröffentlicht. Zudem schreibt sie regelmäßig Artikel für die Nachrichtenagentur EFE und für die Tageszeitung El País.

Besonders großen Erfolg hat Carla Guimaraes als Theaterautorin: So hat ihr Stück „Chuvisco, el bandolero arisco” („Churisco, der widerspenstige Räuber“) über einen Räuber in der brasilianischen Wüste den Preis für das beste Projekt zur Verbreitung der brasilianischen Kultur in Spanien erhalten. Weitere Stücke der jüngeren Zeit sind: „El gato y la golondrina” („Die Katze und die Schwalbe“), uraufgeführt 2013 im Teatro Circo de Murcia, und „Hendaya: Cuando Adolfo encontró a Paco“ („Hendaya: Als Adolf sich mit Paco traf“): Die bitterböse Komödie über das Zusammentreffen von Hitler und Franco in der französischen Grenzstadt Hendaya wurde 2012 im Teatro Nuevo Alcalá uraufgeführt.

Quelle: kulturkurier / Kulturclub.de

Wo ist das Event?
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Christian-Zais-Straße 3
65189 Wiesbaden
Wann ist das Event?
Samstag, 21. Juni 2014
21:00 Uhr
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