Die Spur

26. Juni 2014 in Wiesbaden

Von Ahmet Sami Özbudak.

Theaterbiennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA 2014

Türkei

GalataPerform, Istanbul

Inszenierung Yeşim Özsoy Gülan

Aus Zeit wird Raum: In „Iz“ verfolgen die Zuschauer drei persönliche Schicksale aus der jüngeren türkischen Geschichte, die sich – obwohl sie sich zu unterschiedlichen Zeiten ereignen – parallel in denselben Räumlichkeiten abspielen, sich überlagern und miteinander verweben:

Mitte der 1950er Jahre leben die zwei griechisch-türkischen Schwestern Markiz und Eleni in der Wohnung, gemeinsam mit ihrer Mutter, die nie zu sehen ist, weil sie ihr Zimmer nicht verlässt. Ihre charakterliche Unterschiedlichkeit birgt Konfliktpotential und da sie als Minderheit eine Zwangssteuer entrichten müssen, leben sie sehr bescheiden.

Um 1980 bewohnt Ahmet die Räume,die von Hausmeister Turgut besetzt und betrieben werden. Als Mitglied der Kommunistischen Partei musste Ahmet – ohne Frau und Tochter – nach Istanbul fliehen und dort untertauchen.

Um die Jahrtausendwende bewohnen der Transvestit Sevengül und sein Liebhaber Rizgar das Haus. Beide sind als Jugendliche nach Istanbul gekommen und sind weniger aus echter Liebe als aus Angst vor Einsamkeit zusammen.

Sie alle leben in demselben Zimmer ihr Leben zu ihrer Zeit. Sie sehen die Personen der anderen Zeiten nicht, aber sie scheinen sie manchmal zu spüren und treffen hie und da – leicht verwundert – auf die Spuren der anderen: Essensdüfte, geöffnete Schranktüren, merkwürdige Gegenstände ... Und (nur) der Zuschauer sieht sie gelegentlich sogar miteinander am Tisch sitzen.

Schon bald nach der Fertigstellung wurde das Stück „Iz“ 2011 als Szenische Lesung auf dem Heidelberger Stückemarkt vorgestellt und mit dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnet. Erst im März 2013 wurde das Stück in Istanbul szenisch uraufgeführt: Für diese Inszenierung hat das Theater GalataPerform seine Theateretage in einem Istanbuler Wohnhaus in einen aus mehreren Zimmern bestehenden Bühnenraum umgewandelt. Geschehnisse aus den nicht einsehbaren Räumen werden von insgesamt acht Live-Videokameras zu den Zuschauern übertragen. So werden die Überblendungstechniken von Theater und Kino angewendet und miteinander verknüpft.

Ahmet Sami Özbudak wurde 1980 in Hatay, einer der kosmopolitischsten Provinzen im Süden der Türkei, geboren. Sein Literaturstudium an der Universität in Istanbul schloss er 2003 ab und arbeitete seitdem als Journalist und Reporter für mehrere Zeitungen und Zeitschriften. 1998 begann er damit, Stücke zu schreiben und sammelte im Backstage-Bereich mehrerer Theater auch praktische Bühnenerfahrung. 2012 nahm er in Barcelona an einem Workshop der renommierten Talentschmiede Sala Beckett teil, die in jenem Jahr von dem britischen Autoren Simon Stephens geleitet wurden. Im Oktober 2013 erhielt Özbudak bei den Theater Awards in Istanbul den Preis als bester Dramatiker.

Dem Theater GalataPerfom ist er bereits seit längerem verbunden: Seit 2010 arbeitete er im Rahmen von dessen Langzeitprojekt „Yeni Metin - Yeni Tiyatro“ („Neuer Text – Neues Theater“) an seinem Stück „Iz“. Gemeinsam mit drei anderen Autoren schrieb er zuletzt an dem „Testimonials“-Projekt von GalataPerform, in dem Erlebnisse und Erfahrungen bei den Gezi-Protesten verarbeitet wurden. An dem Projekt ist auch die Regisseurin Yeşim Özsoy Gülan beteiligt.

Quelle: kulturkurier / Kulturclub.de

Wo ist das Event?
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Christian-Zais-Straße 3
65189 Wiesbaden
Wann ist das Event?
Donnerstag, 26. Juni 2014
18:30 Uhr
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